Auf den Mutterinstinkt vertrauen

 

Schöppingen - Safir sitzt ganz ruhig auf dem Schoß seiner Mutter. Der elf Monate alte Junge schaut neugierig. Von Quengeln keine Spur. Offensichtlich kein Wunder. Schließlich hat Mama Patricia Habaal den Babyratgeber „Und ich lass dich nicht schreien - auch wenn es gut für die Lunge ist“ geschrieben.


Das Entscheidende für die 39-Jährige: „Wenn man positiv an das Kind herangeht, wird es auch positiv reagieren.“ Die Mutter müsse sich wieder ihrem Mutterinstinkt nähern. „Vom Herzen her wissen Mütter, was richtig ist.“ Viele Frauen hätten sich jedoch weit weg vom Ur-Mutterinstinkt entwickelt. Das liege auch daran, dass die Frauen selbst wenige Erfahrungen mit Babys in ihrer direkten Umgebung hätten. Dafür aber umso mehr Ratschläge erhielten.

 

Wichtig sei, so die gebürtige Fränkin, dass man sich an ein paar Grundstrukturen halte. „Man muss sich in die Rolle des Babys versetzen.“ Die Eltern seien dreimal so groß wie die Kinder selbst. Man könne bei Babys nicht mit Logik argumentieren, meint die vierfache Mutter. Das einzige, was die Kleinen verstünden, seien der Ton und die Körpersprache. Ein Lächeln, eine zärtliche Umarmung und liebevolles Reden wirkten Wunder. Dabei sei es fast egal, was man sage, schließlich verstehe das Baby die Worte ja nicht, so Patricia Habaal, die mit 17 Jahren zum Islam konvertierte. Wer dem Kind gestresst gegenübertrete, ernte auch gestresste Babys. So Habaals Überzeugung. „Das ist dann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.“ Die 39-Jährige ist sich sicher: „Nach ein, zwei Wochen lieben die Babys das Wickeln.“

Grundsätzlich müsse man gelassener mit dem Weinen umgehen. Naturvölker, so Habaal, würden keine Schreibabys kennen. „Wir sind technische Wesen in einer modernen Industriegesellschaft“, sagt die gelernte Schneiderin. Das innere Bewusstsein sei oft unterdrückt. Das gelte es wieder zu fördern.

Sie selbst hat vier Kinder zwischen elf Monaten und zwölf Jahren. „Nähen und Kinder sind meine große Leidenschaft. Bei den Kindern gehe ich komplett auf“, sagt Habaal. Im Laufe der Jahre hat sie ihre Ideen entwickelt. An den eigenen Kindern hat sie gesehen, dass sie damit richtig liegt. „In unserer hektischen und schnelllebigen Gesellschaft ist eine tief verbundene, ruhige und innige Mutter-Kind-Beziehung das stärkste Fundament. Darauf muss gebaut werden.“ Mit dem Ratgeber sollen Mütter anhand von Alltagssituationen die Sprache ihres Babys lernen und wieder Vertrauen in ihre angeborenen Mutterinstinkte gewinnen. „Was helfen tausend Ratschläge, wenn das innere Bewusstsein fehlt.“ Das Buch sei ein Beitrag zu ruhigeren und ausgeglichenen Babys.

Laut Psychotherapeutenkammer NRW entwickeln sich Säuglinge, die schlecht schlafen und viel schreien, oft zu hyperaktiven Kindern. Vor allem Babys, die länger als drei Stunden am Tag schreien, entwickelten später mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ADHS, so die Psychotherapeutenkammer. „Wie Eltern in den ersten Monaten auf schwierige Säuglinge reagieren, hat nachweislich langfristige Auswirkungen auf ihre psychische Entwicklung“, ist Prof. Silvia Schneider, Kinderpsychologin an der Ruhr-Uni Bochum, überzeugt.

» Patricia Habaal: Und ich lass dich nicht schreien - auch wenn es gut für die Lunge ist, ISBN 978-3-8423-2806-8, 68 Seiten, 12,95 Euro.

von Rupert Joemann WN